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Kreisverband Jena-Saale-Holzland

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Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

im Zusammenhang mit der Bauplanung des neuen Eichplatz-Quartiers wird man nicht müde immer wieder zu erklären, wie wichtig dafür die Einhaltung historischer Baugrenzen ist. Bei genauer Betrachtung der geplanten Baufeldlinien fällt jedoch auf, dass es dazu erhebliche Abweichungen, gar vollständiges
Verzichten darauf gibt.

Beginnen wir mit dem Nonnenplan. Dieser hat kein historisches Vorbild. Der Krieg hat hier erst die Möglichkeit geschaffen, eine Straße zu bauen. Die Kollegiengasse wurde vor einigen Jahren grundhaft saniert. Hierbei wurde das historische Straßenprofil stark verändert. Die Straße wurde verbreitert, begradigt
und wird nur im östlichen Teil annähernd im historischen Verlauf bleiben.
Gänzlich verzichtet wird auf jede historische Attitüde bei der "neuen" Rathausgasse. Sie wird künftig ein Platz, abseits jeglicher historischer Baulinie. Allein in der Johannisstrasse wird sich zum Teil bis auf wenige Zentimeter der historischen Bauflucht genähert.

Ausschließlich im Bereich der Kreuzung Weigelstrasse/Kirchplatz/Rathausgasse wird völlig neu ein Bezug auf eine nicht mehr erkennbare, historische Stadtstruktur genommen, die bereits vor mehr als 100
Jahren mit dem Abbruch des Weigelschen Hauses gestört wurde. Dies mag man heute als beklagenswert ansehen, aber Krieg und Zerstörung haben hier mit der heute denkmalgeschützten Wiederbebauung
der Weigelstrasse eine bauräumliche Vorgabe für jede spätere Bebauung vorgegeben, die nicht so einfach zu ignorieren ist. Das dem so ist, kann man an der Neubebauung des Komplexes Marktwestseite ablesen, die sich nicht an historische Baulinien hielt, aber die Bauflucht der Weigelstrasse einhielt. Das ist
keine 25 Jahre her.

Man plant nun - so der Volksmund - einen Schiffsbug, angenähert einer historischen Baulinie auf schwierigem Untergrund mit extrem teuren Leitungsumverlegungsmaßnahmen.

Mein Frage:
Welche dem Laien nicht bekannten oder nicht verständlichen Grundsätze des Städtebaues über Baufluchten oder Sichtachsen sind geboten, ausgerechnet an dieser einen Stelle einen derartigen Bezug auf mittelalterliche Baulinien zu nehmen, während man in anderen Teilen auf solche Bezüge verzichtet?

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Reinhard Bartsch

26.03.2014 1795
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