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Thomas Nitzsche
Thomas Nitzsche

Von Thomas Stridde
Es hat ganz den Anschein: Thomas Nitzsche hält auf seiner Lebensreise hart Kurs, aber nicht immer nur in derselben Richtung. Einige Kurskorrekturen mögen gar radikal anmuten, etwa beim Musikkonsum-Geschmack: einstmals einzig Techno samt Teilnahme an der "Love-Parade" in Berlin 1994, wo er wegen Unterzuckerung umkippte − und im "direkten Anschluss" an Techno die klassische Musik.
Oder Nitzsches Schulzeit: 1975 in Zeulenroda geboren, kam das aus einer Ingenieursfamilie stammende "Scheidungskind" (O-Ton Nitzsche) mit 14 ans Jenaer Mathe-Physik-Spezialgymnasium "Carl Zeiss".
Schließlich habe man ihm nachgesagt, sich die schriftliche Multiplikation im Kindergarten beigebracht zu haben.

Doch packten ihn - obwohl "deutlich im obersten Leistungsdrittel" − in der Gymnasialzeit nach dem Besuch bei Grundlagenforschern am Fraunhofer Institut Zweifel, dass der Reiz der Naturwissenschaften fürs ganze Leben ausreichen würde. Da habe wohl seine Englisch-Lehrerin Anteil gehabt, sagt Nitzsche, die in ihm besonderes Sprachen-Interesse weckte. "Ich war kein Sprach-Genie, aber ein guter Handwerker." Deshalb also selbstauferlegte Kraftakte wie die Übersetzung des Horror- Klassikers "Es" von Stephen King aus dem Englischen ins Deutsche. Gut, dass es so kam, so würden Nitzsches politische Freunde wohl seine wissenschaftliche Entwicklung bewerten: "Für den Hardcore-Akademiker taugst du nicht", so habe er sich nach langem Abwägen eingestanden − nachdem er sein Magister- Studium der Politikwissenschaften an der Jenaer Uni (Interkulturelle Wirtschaftskommunikation und das anfängliche Hauptfach Anglistik als Nebenfächer) weit vorangetrieben hatte. Für seine Dissertation habe er viel Kraft und Zeit benötigt. Und diese Art Arbeit als Beruf? "Nein, da war ich nicht effizient genug", sagt Nitzsche, der vom 1. Semester bis zum Magister "Hiwi" (also "Hilfswissenschaftler") des heutigen Rektors Klaus Dicke war und mittlerweile Fachreferent in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek ist.
Effizienz hält Nitzsche sich aber zugute, wenn er auf die letzten fünf Jahre politischen Engagements schaut: Zwar sieht er sich als politisch "klassischen Spätstarter", zumal er erste "standespolitische" Erfahrungen im Fachschafts- und im Studierendenrat an der Uni "eher als abschreckend" für weitere Schritte in der Politik empfand. Doch nach jener Einladung zum justament kriselnden Liberalen-Nachwuchskreisverband "Julia" ("Zwei Wochen später war ich stellvertretender Kreisvorsitzender") ging es bergauf.
2007 übernahm er auch zur Entlastung der FDP-"Altvorderen" in der recht kleinen liberalen Stadtratsfraktion den Kreis- Vorsitz der Partei und eroberte bei der Kommunalwahl 2009 selbst einen Sitz im Stadtparlament.
Heute hat er den Vorsitz des Jugendhilfe-, des Schulentwicklungs- und des Kita-Unterausschusses inne. "Ich trag es nicht wie eine Monstranz vor mir her; aber das sind nicht die Felder, die man mit der FDP verbindet." Dass ihm diese Vorsitz- Rollen zufielen, sieht er als Beweis: "Man kann gut mit mir über Fraktionsgrenzen hinweg."
Er orientiere sich da am Stil des Stadtentwicklungsausschuss- Vorsitzenden Reinhard Wöckel (Linke), er sehe sich auch "als der Moderierende".
Wie schaut Thomas Nitzsche auf die latente Überforderung der Freizeit-Stadträte? "Ich bin kein Freund davon, sich zu beschweren, dass eine Sitzung drei Stunden dauert. Das haben wir alle vorher gewusst." Selbst hatte er noch "nie das Gefühl, ersoffen zu sein in Arbeit"; das eigene Zeitmanagement funktioniere wohl noch. Dass es oft einen Mangel an thematischer Durchdringung im Stadtrat gebe, sei "leider richtig". Drum betrachte er es als ein "Spiel mit der Verwaltung", die thematisch "eigentlich am Drücker" sitze, deren Vorgaben der Stadtrat aber auf Plausibilität zu überprüfen habe. "Diesen Antagonismus muss man aushalten." Allerdings kann Thomas Nitzsche sich sehr gut einen Außen-Eindruck vorstellen:
Die derzeitige Verwaltungsspitze sei geneigt, das "dicke Ende eines Problems nach hinten zu verlagern". Man müsse aber "mit schwierigen Themen gleich rauskommen". Wie sich der Kandidat selbst sieht? − Stärken: "Empathie und Konsequenz", fallen Thomas Nitzsche dazu ein. "Ich bin aber trotz Empathie in der Lage zu sagen: Das geht nicht!" Schwächen: "Ich neige dazu, Dingen bis zum Ende selbst nachgehen zu wollen." Vielleicht lerne er es im Wahlkampf besser, Aufgaben zu delegieren.
Und wie ist das mit der Favoriten- Rolle von Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD)? − "Das hat mitunter schon einen Hauch selbsterfüllende Prophezeiung.
Aber er ist kein unüberwindlicher Kandidat." Mitunter würden Leute ihre Schröter- Meinung ändern, "die nicht am Gespräch unter zwei Minuten festhalten". Nitzsche pflegt also lieber das Bild des Herrn Turtur aus der "Jim Knopf"-Geschichte: "Ein Scheinriese. Je weiter man von ihm wegkommt, je größer wird er. Und alle haben Angst vor ihm."